Liebe 57er!

1957 – ein guter Jahrgang ... haben wir oft gesagt und bekräftigend genickt, bis wir immer häufiger gefragt wurden, warum eigentlich?
Geboren werden wir am Ausgang der 50er-Jahre, als die Welt zwischen Aufbruch und Verharren schwankt. Die ersten Schritte probieren wir in einer Zeit, die den Griff nach den Sternen wagt und der technischen Faszination nicht widerstehen kann. Möglichst schnell älter werden wollen wir und die Enge unserer Kindheitsjahre hinter uns lassen. So lernen wir, stets beherzt zuzugreifen und Probleme beim Schopf zu packen.
Vielleicht sind wir die erste Generation, die an einem Vätermangel leidet, obwohl die Väter da sind. „Samstags gehört Papi mir“, wird verheißungsvoll verkündet. Stattdessen schieben die Väter samstags Überstunden für den Wohlstand, den wir bis weit in die 60er-Jahre noch nicht als selbstverständlich erleben dürfen. Die beiden Kurzschuljahre 1966/1967 prägen unsere Grundschulzeit, die damals Volksschule heißt. Ehe wir uns versehen, ist unsere künftige Schullaufbahn und damit auch die Berufswahl entschieden, die oft noch die Eltern treffen. Als „ein guter Jahrgang“ folgen wir diesen vorgezeichneten Wegen, zunächst jedenfalls, oder suchen schon früh nach eigenen.
Wie aber hat sich unser Jahrgang dabei zurechtgefunden? Eine Antwort darauf wird mit dem Jahrgangsband „Wir vom Jahrgang 1957“ versucht. Erst im Rückblick werden die Dimensionen deutlich. In eher persönlichen Texten zeige ich exemplarisch „das Kind in seiner Welt“. Stichworte wie „Essen und Trinken“, „Verkehr“ oder „Fernsehen“ haben mich hingegen auch zu allgemeinerem Erleben geführt. Abgerundet wird das Buch durch übergreifende Themen. Ich hoffe, dass alle Leserinnen und Leser viel Spaß an der Lektüre haben werden, frei nach dem Motto: 1957 – ein guter Jahrgang!

Jutta Weber-Bock