Vor sechzig Jahren - Januar 1957

Gründung des Instituts für Selbstbedienung

In Bonn setzen sich mehrere Handelsverbände das Ziel, die Selbstbedienung zu fördern (mittlerweile EHI Retail Institute). Doch eigentlich geht es darum, vor allem Personalkosten einzusparen. Die sogenannten "Nebentätigkeiten" wie Wiegen, Aufschneiden, Eintüten und Verpacken nehmen zu viel Arbeitszeit in Anspruch.

Tante-Emma-Laden
Tante-Emma-Laden - Ende der 50er Jahre
Foto: Wolfgang Haenle

Im Einzelhandel hat es begonnen mit der Selbstbedienung, in Restaurants und Tankstellen (ja, der Tankwart wusste immer Rat, leider ist er längst ausgestorben) ging es weiter. Geldautomaten sind uns inzwischen selbstverständlich geworden, Selbstbedienungskassen wie beim unmöglichen Möbelhaus aus Schweden und Check-In-Automaten bei Hotels (im Sommer im Allgäu erlebt!) und Zahlautomaten beim Bäcker (wo es die besten Brezeln gibt) dagegen noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Selbstbedienung haben wir vom Jahrgang 1957 erst später kennengelernt, und sie vielleicht in einem ganz anderen Sinne verstanden [Leseprobe "Wir vom Jahrgang 1957"].

Mittlerweile ist das Internet die größte Konkurrenz des Einzelhandels ... Nicht dass Selbstbedienung etwas Schlechtes wäre, scheinbar kann frau/man ja selbst auswählen und hat doch keine Wahl ... alles muss ich inzwischen selbst machen ... vom Online-Banking zum Elstern oder das Paket aus der Packstation befreien - man wird zum arbeitenden Kunden.

Am liebsten gehe ich deshalb zu unserem "English Tearoom" um die Ecke, wo es nicht nur "loose tea" gibt wie vor sechzig Jahren und immer ein duftendes Tässchen aufgebrüht wird (Eile mit Weile), sondern eben auch ein köstliches kleines Gespräch auf mich wartet.